Die Sterntaler
Darum geht es in diesem Märchen
In der Hauptrolle: Ein armes Mädchen sowie einige noch ärmere Mitmenschen
Die Handlung: Ein Mädchen, das fast nichts besitzt, begibt sich aufs Feld und begegnet dort noch ärmeren Menschen. Es ist bereit seine letzten Habseligkeiten herzugeben und wird dafür reichlich belohnt.
Infos zum Märchen
Hier geben wir kurz Infos zur Entstehung des Märchens und erklären einzelne Wörter oder Begriffe aus dem jeweiligen Märchen
Die Sterntaler
Es gab sie als Münzen tatsächlich. Graf Friedrich der Zweite aus Hessen ließ sie um 1778 herstellen („prägen“), um damit meist arme Familien zu entschädigen, die in einem Krieg Sohn oder Vater verloren haben. Die Gebrüder Grimm verarbeiteten diese Hintergrundgeschichte in ihrem Märchen „Die Sterntaler“.
Übrigens: Taler (damals Thaler geschrieben) war die Geldwährung der damaligen Zeit, so wie heute Euro oder Dollar. Und: Das Wort Dollar stammt vom Wort Taler ab.
Gott segne dir’s
Kurzform für Gott segne es dir (gemeint ist das Stück Brot, welches das Mädchen dem armen Mann schenkt)
Leibchen
Ein Kleidungsstück für den Oberkörper, das über einem Unterhemd oder T-Shirt getragen wird und das es auch heute noch zum Beispiel im Sport gibt.
Röcklein / Hemdlein
Alte Verkleinerungformen -lein statt Röckchen oder Hemdchen. Übrigens: Im 19. Jahrhundert, also in der Zeit, in der die meisten Märchen entstanden, trugen auch Männer einen sogenannten Herrenrock oder Gehrock, der aber eher wie ein heutiger Mantel aussah.
Die Sterntaler
Ein Märchen der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm aus Hanau (Hessen). Jacob lebte von 1785 bis 1863, Wilhelm von 1786 bis 1859. Das Märchen „Die Sterntaler“ erschien in ihren berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ im Jahr 1819 als 153. Märchen.
Hinter den farbigen Textstellen verstecken sich interessante Hinweise und Erklärungen!
Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: „Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.“ Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: „Gott segne dir’s,“ und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: „Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.“ Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: „Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,“ und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.


Leonie Härle 2024
Leonie Härle