Der süße Brei
Darum geht es in diesem Märchen
In den Hauptrollen: eine etwas vergessliche Mutter, eine schlaue Tochter und ein magischer Topf
Die Handlung: Eine Frau lebt alleine mit ihrer Tochter in großer Armut, da sie zu wenig zum Essen haben. Die Tochter trifft auf dem Weg zum Wald eine alte Frau, die ihr ein Töpfchen schenkt, welches Wunder vollbringen kann. Ihre Not hat ein Ende, wäre da nicht das Sprüchlein, welches die Mutter vergessen hat, um das Töpfchen bzw. den Brei zum stoppen zu bringen.
Infos zum Märchen
Hier geben wir kurz Infos zur Entstehung des Märchens und erklären einzelne Wörter oder Begriffe aus dem jeweiligen Märchen
fortan
älterer Ausdruck für ab jetzt oder von nun an
Doch das Wort wollte ihr nicht mehr einfallen
Mit Wort ist der magische Spruch gemeint, der das Töpfchen in seinem Kocheifer stoppen konnte.
Der süße Brei
Ein Märchen der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm aus Hanau (Hessen). Jacob lebte von 1785 bis 1863, Wilhelm von 1786 bis 1859.
Dornröschen erschien in ihren berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ im Jahr 1812 als 50. Märchen.
TIPP: Hinter den farbigen Textstellen verstecken sich interessante Hinweise und Erklärungen!
Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald, und begegnete ihm da eine alte Frau, die wußte seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollt es sagen: „Töpfchen, koche“, so kochte es guten, süßen Hirsebrei, und wenn es sagte: „Töpfchen, steh“, so hörte es wieder auf zu kochen.
Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, sooft sie wollten.
Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen, da sprach die Mutter: „Töpfchen, koche“, da kocht es, und sie ißt sich satt; nun will sie, daß das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es fort, und der Brei steigt über den Rand hinaus und kocht immerzu, die Küche und das ganze Haus voll und das zweite Haus und dann die Straße, als wollt’s die ganze Welt satt machen, und ist die größte Not, und kein Mensch weiß sich da zu helfen. Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig ist, da kommt das Kind heim und spricht nur: „Töpfchen, steh“, da steht es und hört auf zu kochen, und wer wieder in die Stadt wollte, der mußte sich durchessen.


Leonie Härle 2023